Bei Dave und Vicky

Iran, Tadschikistan, Xingjiang – Die Orte, an denen wir diesem Australier über den Weg liefen, sind bezeichnend. Bezeichnend für Dave, einen Menschen, dem „Konvention“ so viel bedeutet wie „Copyright“ einem Chinesen. Trotz der gemeinsamen Reiseroute trugen seine Muskeln ihn und sein Reiserad schneller gen Osten, quer durch ganz Asien, als die motorisierten Gefährte uns und unsere Rucksäcke. Mit 150-Kilometer-Tagesetappen und nur wenigen Pausen bezwang er die steinige Strecke von Istanbul nach Schanghai, in sechs Monaten. Als wir es irgendwann bis Australien gebracht haben, ist er schon längst wieder zu Hause bei seiner Partnerin und träumt seit Monaten vom nächsten Abenteuer, der gesamten Westküste beider Amerikas. Man erhält nicht jeden Tag die Chance, einen solchen Zugvogel in seinem natürlichen Habitat zu erspähen, der Brutstätte des Heimatlandes, und wir sind begeistert, uns in die zurückgelehnte Welt von Mullumbimby einführen zu lassen. So diametral steht diese Welt dem entgegen, was wir bisher von Australien erfahren haben, dass wir uns erleichtert fallen lassen. Hier arbeitet man nicht fürs Gehalt, sondern für die Zufriedenheit, zwei oder drei Tage die Woche, maximal. Hier isst man, was der eigene Garten und der der Freunde hergibt. Für den gelegentlichen Luxus frohlocken die vollen Regale von drei Bioläden im Ort, ein Bioladen pro 1000 Einwohner! Auch im Alltag werden viele Strecken mit dem Fahrrad bewältigt, bei Wind und Wetter. Das liebevoll restaurierte Haus und die wiederbelebte 70er-Jahre-Espressomaschine in seiner Küche sind Zeugen, wie elegant man die Wahrung von Kulturerbe mit der Schonung von Ressourcen kombinieren kann. Strom, Wärme und Wasser kommen direkt aus der nächstgelegenen Quelle – dem eigenen Dach.

Wer so rundum im Einklang mit den Kreisläufen der Natur lebt, schafft sich Zeit zum Lesen, zum Radio hören, zum Diskutieren, und zum Durchatmen, macht sich innerlich immun gegen jeden Konsumzwang von außen. Wohlmeinende Beobachter sehen dabei auch das nötige Polster wachsen, dass die zahlreichen Hin- und Rückflüge um die Welt ins persönliche Klimakonto gefressen haben. Schließlich kann niemand die Wahrheit leugnen, möge das Leben in Mullumbimby noch so schön sein: Heimweh lässt sich bändigen, Weltlust jedoch nicht.

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4 Kommentare

  1. Malle

    Das klingt so schön!! und so beruhigend!

  2. Georg Thomas GTR Revesz

    ja. Dave ist super

  3. Romi

    Sieht aus wie endlich mal wieder ein Zuhause für euch.

  4. aber ihr solltet mal aufhören, mit schuhen nach vögeln zu werfen…

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