Krisenstab statt Duty Free

Würden Sie diesem sympathischen Pärchen einen leeren Platz im Auto anbieten?

Nein? Die 50 versprenkelten, schlecht gelaunten Fahrgäste der Autofähre auch nicht. Kein einziger. Auch nach freundlicher zweiter Nachfrage nicht. Es findet sich niemand. Auch die Intervention einer netten Dänin, die sich bei ihren Landsleuten für unser Anliegen stark macht, bleibt erfolglos. Die dösenden Trucker lassen sich gar nicht erst ansprechen. Die wenigen Kunden aus dem Duty Free Shop wohnen direkt in der Umgebung vom Zielhafen Gedser. Die feine Jagdgesellschaft im Restaurant ist unterwegs nach Kopenhagen und hätte eigentlich Platz auf den Rückbänken von Mercedes, BMW und Landrover. Vermutlich aus tiefer persönlicher Abneigung gegen weniger wohlbetuchte zieht sie es jedoch vor, die großzügige Bein- und Kopffreiheit der gut ausgebluteten Tierkadaver lieber nicht durch dahergelaufene Anhalter zu beeinträchtigen.

Es lässt sich niemand dazu hinreißen, uns bis zur nächsten Raststätte oder bis zum nächsten Bahnhof Richtung Kopenhagen mitzunehmen. Nur zwei Silben das Wort, und doch so gemein die Bedeutung: Nie-mand.

Wir berufen den Krisenstab ein und beraten uns. Clara, Moritz und die Vertreter ihrer letzten Energien grübeln gemeinsam mit den Vertretern ihrer letzten Hoffnungen nach einer Lösungsstrategie. Wir teilen uns auf. Moritz mobilisiert seine allerletzten Charme-Reserven und verlässt die Fähre werbend über den Personenausgang, während Clara mit dem Liebreiz des blonden Haars auf dem Autodeck zu punkten versucht.

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3 Kommentare

  1. Karin Scheer

    hi ihr Lieben,

    ich finde eure Ausdauer in den kalten, dunklen Tagen per Autostopp durch Europas nördliche Welt zu reisen, bewundernswert. Viel Glück bei euren weiteren Unternehmungen.
    Bussl :-)))))

    (Frage: wie erkennt man am Text, dass ich Wienerin bin?)

  2. Gisa

    Jaaaaa, ich würde euch mitnehmen! Tausend Mal!
    Schade, dass auf meinem Fahrradsattel nicht wirklich Platz für 2 ist, neben dem Karton mit den Einkäufen, und dass ich euch mit der tollen Strecke Schanze->Eimsbusch wohl nicht mehr ködern kann…

    Und Karin, warte mal, erkenne ich die Wienerin? Hhhmmmm…

  3. Pingback: Der Atlantik | Gut gelaufen

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