Paul und Natt

Hongkong: Wir kaufen uns zwei Liegeräder um 1000 Euro und sagen ganz cool: Wenn wir genug davon haben, verkaufen wir sie einfach wieder. Insgeheim denk ich, ob das mal gut gehen wird…  Aber ich mache mir lieber noch keine Sorgen, das Ende liegt in unendlicher Ferne und wozu sich Monate vorher schon den Kopf zerbrechen?

Bangkok, 3300 km später: Einen Abend haben wir jetzt mit den Rädern auf der Straße verbracht. Die ausgelaugten Büroleute joggen im Kreis, sie sind so gefangen in ihrer Welt, dass sie uns nicht einmal bemerken. Von den berauschten Touristenclowns können wir bis auf dumme Sprüche auch nicht mehr Aufmerksamkeit erwarten. Und jetzt?

Irgendwann schreibt Moritz unbemerkt ein paar Warm Showers-Mitglieder an. Prompt meldet sich einer am nächsten Morgen. Paul lädt uns und unsere Räder nicht nur zu sich ein, sondern schlägt auch noch vor, dass, falls wir das zweite Liegerad nicht verkaufen, er das für uns erledigt.

Und so passiert es. Wir treffen Paul mit seinen Freunden beim Essen, Moritz stellt sich in Mädchenkleidern vor, (die eigenen sind in der Wäsche), wir lernen Pauls Frau Natt kennen, packen vier Stunden in seiner Wohnung eines unserer Räder in Kartonagen ein, um es flugtauglich zu machen, und er verspricht, uns das zweite Rad zu inserieren.

Ich habe keinen Zweifel mehr an Rad-Faszinierten. Egal wie fremd man sich ist, die Begeisterung verbindet. So ein unglaublich großzügiges Angebot von zwei Menschen, die wir gerade erst kennen gelernt haben, hätte ich mir niemals erwartet, als wir in Hongkong losgefahren sind.

(Clara)

Ist es abgedroschen, im ersten Satz einer Personenbeschreibung darauf Bezug zu nehmen, dass die Person, die Natt heißt, nett ist?

Sie und ihr frischvermählter Ehemann Paul, ein australischer Auswanderer, sind beide ausgesprochen nett. Kaum haben sie die 8500 Kilometer abgestrampelt, mit ihrem kombinierten Liege- und Aufrechttandem Hase Pino, durch jede einzelne der 77 thailändischen Provinzen, und sind nach dieser Hochzeitsreise der anderen Art nach Bangkok zurückgekehrt, schon nehmen sie sich unserer an. Ich hatte Clara schon vorgeschwärmt von Warm Showers, der überwältigend kollegialen Radreise-Variante von couchsurfing, aber dass jemand nicht nur unser Fahrrad für zwei Wochen bei sich ins Wohnzimmer stellt, bis Romi es bei ihrer Rückkehr wieder mit nach Europa nimmt, sondern auch noch anbietet, das zweite in unserem Auftrag zu verkaufen, ist wirklich einmalig. Übrigens genau wie der Blick aus ihrem Wohnzimmer.

Übrigens: Schon als Romi auf ihrer Heimreise nach Bangkok zurückkehrt, ist das zweite Rad verkauft. 10% an Paul, wir bestehen drauf. Trotzdem nur 50 Euro Wertverlust für 3300 Kilometer – Einfach gut gelaufen!

(Moritz)

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Ein Kommentar

  1. gisabuehner

    Clara sieht auf diesen und anderen Bildern immer so aus, als hätte sie sich mal eben aus einem anderen, in Watte gepacktem komfortablem Leben mit ins Bild gestellt. Nicht zu fassen, dass die vielen hinter ihr liegenden (Tor)Touren keinerlei Spuren in diesem schönen klaren Gesicht hinterlassen.
    Clara, wie machst du das?

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