Krach machen im stillen Strom

Als das sogenannte Slow Boat in See sticht, trauen wir unseren Ohren nicht. Mark, der Amerikaner, der vor uns in den eigens für die verwöhnten westlichen Touristen ins Holzboot montierten Autositzen neben seiner malaysischen Frau mümmelt, hält beim Bananenchips essen kurz inne. Er gestikuliert und schreit, ohne dass wir ein einziges Wort verstehen. Kaum zu glauben, wie schnell uns dieser ohrenbetäubende Motor den Nam Ou hinunter treibt, war doch die dem Ablegen vorangegangene Verhandlung zäh wie gegrillter Wasserbüffel.

Die vielen Reisemonate in Zentralasien haben uns geschult. Langatmig wie Apnoetaucher war unser Vorgehen, als wir mit 7-Zentimeter-Riss im Reifen das Dorf ohne Fahrradladen verlassen wollten, eine halbe Stunde vor geplanter Abfahrt an der Bootsanlegestelle eintrafen und erst mal zwei Stunden geduldig im Schatten abwarteten, bevor irgendetwas in Gang kam. Zu wenige Passagiere. Nur vier. Mindestens acht bräuchte man, will man uns weismachen, bevor sich die Fahrt rentiere. Wir sind skeptisch. Laoten untereinander machen Geschäfte mit erschreckend minimalen Gewinnmargen, aber im Touristengeschäft, da winkt das große Geld. Die eingeflogenen Ausländer denken in ihrer Währung, und in Dollar oder Euro gerechnet erscheint selbst der skrupelloseste Wucher noch angemessen. Am Ende zahlen wir 30% mehr als den regulären Fahrpreis. Wir freuen uns, denn dass die Liegeräder nicht als Handgepäck durchgehen würden, das hatten wir uns schon gedacht. Für die fünf Stunden Privatboot von Nong Khiao nach Luang Prabang zahlen wir zu viert 650.000 Kip; Trotz der geringen Besetzung: Für Laoten ein Vermögen, für uns vier Ausländer nur 65 Euro.

Tja, die Fahrt nach Luang Prabang hätten wir auch im Dorfbus für 5 Euro pro Kopf haben können. Aber wie viel größer wäre die Niederlage gewesen, den Asphalt, der für unsere eigenen Muskeln bestimmt war, im Bus, dem 08/15-sten aller Fortbewegungsmittel, zu bewältigen? Beschwichtigt durch den Riss im Reifen schicke ich den Bootsmotor mithilfe von Ohrenstöpseln in die Ferne und lehne mich weit zurück, in meinem Autositz zu Wasser. Grandiose Landschaft, daran mangelt es uns wahrhaftig nicht. Aber sich vor ihrer Kulisse sanft in den Schlaf wiegen zu lassen – das hatten wir schon lange nicht mehr.

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2 Kommentare

  1. karinscheer

    Mit dem Piratenboot ins Tika taka tuka Land?

  2. Gut-gesessen. Im Autositz um die Welt. Wer sagt denn, dass man nicht gleich sein Gepäck in die Rückenlehne stopfen und den Liegesitz eines alten Autos zum Grundgefährt und damit auch Grundgesetz einer Weltreise deklarieren sollte? Auf Kufen, als Hänger, hinter dem tuktuk und wie jüngst berichtet, auf dem Boot wäre es das multisessonale Fortbewegungsmittel. Man könnte obendrein FairSit etablieren und würd sich untenrum nicht in die Nesseln oder schwarze Käfer setzen. Dein Artikel ist ne Eins. Setzen!

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