In den Armen der Nacht

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Peng! Und der Reifen ist platt.

Noch 18km bis Nong Khiao, aber das Licht verschwindet schon langsam hinter den Bergen.

Während wir auf der warmen Straße sitzen und den Mantel mit 17 Flicken verarzten, erstrahlt ein heller Stern nach dem anderen aus dem dunkelblauen Himmelszelt und die warme Erde hüllt uns in ihren dunklen Schleier. Ich fühle mich geborgen in unserem großen Zuhause, das, obwohl so fremd, mir doch so vertraut ist. Wie faszinierend dieser große Schatten der Erdkrümmung ist, der es uns ermöglicht, auch mal die andere Seite des Universums zu sehen.

Langsam rollen wir weiter, ohne Licht, ohne Angst, mitten ins Schwarz hinein. An den mächtigen Silhouetten der Berge vorbei, immer am Rauschen des Flusses entlang. Die Glühkäfer versuchen es, den Sternen gleich zu tun und blinken hell auf.

Hin und wieder kommen wir durch murmelnde Dörfer. Der Schein des Feuers flackert so wärmend durch die Ritzen der Bambuswände, dass ich mich am liebsten daneben zusammen gerollt hätte, wie ein Katze nach ihrem nächtlichen Streungang.

Mittlerweile ist der Mond aufgegangen und erhellt silbern unsere Straße. Mit leichter Wehmut und glücklicher Erfüllung, weiß ich, Nong Khiao ist nicht mehr weit.

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4 Kommentare

  1. Karin

    „Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall. (Dalai Lama)“
    Dieser Satz ist mir dazu eingefallen.
    Ich hoffe ihr könnt noch den Sack voller Schätze nach Hause bringen.

  2. Pling! Und ein Stern erstrahlt auf dem Parkplatz. Und nach 60 km Radtour auf dem Darss kann ich mein mich immer noch tragendes Tourenrad hinten in den Benz werfen und die restlichen Kilometer über die Ostseeautobahn zurück nach Hause fahren, nachdem ich beim Bäcker 2 duftende Franzbrötchen und 1 eiskalte Sprite ergattert hatte. Daran musste ich denken, liebe Clara, als ich deine Sternstunde las.

  3. gisa

    Ach, liebe Clara, was für eine wunderschöne den Herzschlag verlangsamende Geschichte. Schon der Titel…
    Wenn du dich in diesem großen Zuhause geborgen gefühlt hast, dann kann das doch nur in dir selbst gewesen sein, denn alles um dich herum war fremd.
    Ein Traum, wie herrlich, großartig, diese Beschreibung. Ich weine.

  4. romikommentiert

    Sehr sehr schön beschrieben! Und das Foto dazu: ein Trrrraaaaum!

    P.S. jetzt ist es ganz anders, eure Artikel zu lesen, wo ich live mit dabei war! Wenn ich das lese, sitze ich gefühlt neben euch am Straßenrand.

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