Freundschaft mit China

Ein zweites Monat, eine zweite Chance. Unsere ganze Hoffnung liegt in den Liegestuhlrädern. In Guangdong, der Provinz mit den freundlichsten Menschen Chinas, hoffen wir das wahre China zu entdecken. Auf keinen Fall werden wir irgendwelche Sehenswürdigkeiten besuchen!

Das Lauffeuer der großen Blonden mit dem seltsamen Untersatz verbreitet sich von Dorf zum Bananenhain. Niemand, wirklich absolut niemand im Dorf, weiß nicht, dass wir da sind. Während wir essen, scharrt sich eine Menschenmenge von um die 50 Leute um uns. Keiner traut sich uns anzusprechen, sie schauen nur. An den Handzeichen erkenne ich, dass sie sich über unsere Nasen unterhalten, während die Kinder vorsichtig um uns schleichen, um einen schnellen genauen Blick in unser Gesicht zu erhaschen. „Haben die wirklich blaue Augen?“

Eine Frau am Nebentisch findet die treffenden Worte dazu; wir sind wie die Pandabären. Wir sind das Ereignis des Tages, das Spektakel eines jeden Dorfes, jedes Mal von Neuem, sobald wir uns eine kurze Pause gönnen.

Ist die Erschöpfung nicht all zu groß und halten die Nerven, dann ist es eine wahre Freude diesen unverschämt neugierigen Menschen zu begegnen. Ihre größte Freude, sich einmal an unserm Rad auszuprobieren, endet meistens in schallendem Gelächter der Anderen. Die gute Stimmung der Dörfer begleitet uns auf den lauten Straßen und, wenn wir besonders stark sind, verstehen wir die Trommelfellplatz-Hupen sogar als freundschaflichen Gruß oder als neutrales „Achtung, ich komme und bin größer als du.“

Kaum erreichen wir aber die Nähe der Großstadt, fängt der Wahnsinn an umzuschwappen. Ohne Rücksicht, ohne Respekt. Kinder werden zu uns geschoben und fotografiert. Tussis fangen an zu quietschen und sich hektisch Luft zuzufächeln, wenn sie uns sehen. Gerempel, Geschiebe auf der Einkaufsstraße, Musik in Konzert-Lautstärke, neben den Schrei-Tonbandschleifen. Selbst im Geschäft bleibt einem dieser Ohrwurm nicht erspart.

Was die Stadt kaputt macht, macht die Natur wieder heil. Einen Radtag entfernt von der Stadt duftet wieder der Wald und die Seen glitzern zwischen den Zuckerrohrplantagen durch. Tropfnass vom letzten Duschregen, holpern wir viel zu schnell die schlechte Straße hinunter, während die Sonne und der Fahrtwind uns wieder trocknen. Wasserbüffel glotzen, Hunde preschen quietschend zur Seite, Menschen brüllen los vor lachen, ach so schön kann China sein. Sofern man einen Liegestuhl auf Rädern hat, der einen ganz schnell wieder weiter fährt.

 

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3 Kommentare

  1. Eine Beschreibung, die mich ganz atemlos macht, ich will mit, mit, mit, raus aus dem Wahnsinn. Ich möchte immer weiterlesen, weiter eintauchen in die Entspannung.
    Ihr seid die Pandabären, die großen blonden Pandabären, was für ein skurriler treffender Vergleich.

    • Clara Scheer

      Einladung zur Ausladung,

      Liebe Gisa hiermit lade ich dich von Herzen raus aus dem Wahnsinn ein.

      Wo: Meditationszentrum Luang Prabang, Laos
      Wann: ab 12.10.12

      Einen eingetauchten Kuss,
      deine Clara

      • gisabuehner

        Liebe Clara,
        vielen Dank für die verführerische zauberhafte Einladung, die mitten in mein Herz getroffen hat!
        Leider war ich am 12.10. verhindert, wie ärgerlich. Und auch heute ist es ungünstig, zu dumm…
        Schade.
        Ich befürchte, ich mach dann vorerst mal weiter mit der Entspannung nach Jacobson.
        Kuss zurück aus dem herbstlichen Hamburg
        Gisa

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