Vorankommen in Tadschikistan

  1. Dem Hotel-Spender in Dangara ist das Konzept vom Trampen nicht zu vermitteln. Wir probieren es mit Dusht (Freund), Dengi nietu (ohne Geld), und Avtostop (trampen). Er lässt uns nicht fahren. Ins erste Sammeltaxi auf dem Weg nach Kulob steckt er uns, keine Widerrede, und zahlt.
  2. Auch dessen Fahrer ist Avtostop fremd. So gut wir es auf russisch versuchen, es klappt nicht. Er setzt uns bei seiner Endstation in ein zweites Sammeltaxi.
  3. Der zweite Fahrer ist Dichter. Stolz zeigt er uns seine gesammelten Werke, ordentlich gebunden in einem Taschenbuch. Wir nicken anerkennend und tun so, als könnten wir tadschikischer Poesie in kyrillischer Schrift etwas abgewinnen. Er ist so gerührt, dass er seinen verdienten Lohn nicht annimmt und uns die Fahrt spendiert. Quer durch Kulob fährt er uns außerdem, bis zum Abfahrtspunkt der Jeeps. Überflüssig zu erwähnen, dass der einzige Begriff, der in seinem großen Wortschatz nicht mit Bedeutung gefüllt ist, Avtostop lautet.
  4. Die Jeep-Piloten belagern uns, noch bevor wir unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum nehmen können. Zeit für zähes Verhandeln. Wir haben die Hoffnung auf’s Trampen noch nicht aufgegeben, keine schlechte Basis also für einen guten Preis.
  5. Nach dem dritten „absolut letzten Angebot“, das wir ablehnen, setzen sich auch die Passagiere des ältesten Modells am Platz dafür ein, dass wir mit dem Jeep ihres Fahrers mitfahren. Die letzten zwei Plätze müssen noch besetzt werden, bevor es losgehen kann. Wir zahlen schließlich den gleichen Preis wie die Locals – das vierte absolut letzte Angebot.
  6. Rucksäcke auf’s Dach (Im Kofferraum sitzen schon zwei Männer):
  7. Reifencheck: Man fährt umweltfreundlich. Den geringsten Rollwiderstand, das weiß jeder Rennradfahrer, haben Reifen ohne Profil. Sehr vernünftig. Die hohen Kurvengeschwindigkeiten in der Formel 1 werden schließlich auch mit Slicks erreicht.
  8. Es geht los. Smalltalk mit allen Passagieren, um das Eis zu brechen. Die Jungs im Kofferraum sind dankbar über die Isomatten, die wir ihnen als einziges Polster in den Rücken stopfen.
  9. Erster Anstieg. Nervenkitzel pur. Die exzellente russische Ingenieurskunst kann all ihre Stärken ausspielen. Unser gutgefüllter UAZ kämpft gegen einen vollbepackten Lada Niva. Kopf an Kopf rasen wir mit brummenden Maschinen auf den Berg. Kaum nehmen wir die Serpentinen ein paar Grad geschickter, wow, überholt der UAZ auf einer Geraden mit atemberaubenden 26 km/h den zwei Kilometer langsameren Lada.
  10. Wir geben alles und schaukeln mit. Was für ein Rausch aus Dynamik und Geschwindigkeit.
  11. Platten, Mist.

3 Kommentare

  1. Gisa

    So einen Reifen habe ich noch nie gesehen.

    Köstlich, eure Isomatten im Rücken der Underdogs im Fond.
    Wie praktisch, dass ihr sie zufälligerweise dabei hattet.

  2. Pingback: Dangara – Khorog: Im Strom des Welthandels « Gut gelaufen

  3. Romi

    hahaha! schönes ding!

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