Im Dunst der Bequemlichkeit

Motorradfahrer sind ein unfreiwilliger Hybrid aus Couchpotato und Gladiator. Obwohl sie sich von ihrer dicken Maschine chauffieren lassen und dadurch körperlich verfetten, gerieren sie sich als wilde Abenteurer. Wie Sklaven dem Eigner, sind sie Straßenverlauf und Tankstellennetz verhaftet, und doch fühlen sie sich als Entdecker. Ihr Gerät macht Krach, ihre Rüstung flößt Erfurcht ein.

Kreuzt man diese Ritter des Widerspruchs mit einer weiteren ungeliebten Gattung Mensch, den Pauschaltouristen, dann kommt was ganz komisches raus.

Dementsprechend verdutzt schauen wir aus der Wäsche, als uns acht Holländer auf acht antiquierten Sowjet-Zweitaktern über den Weg laufen, die von vorgebuchter Unterkunft zu vorarrangiertem Restaurant tuckern und mit Begleitauto samt Reiseführer Nord-Vietnam verpesten.

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2 Kommentare

  1. Lutz

    Mit meinem 1PS Rad blase auch ich in das Horn gegen alle marken- und weniger umweltbewussten motorrattler (Rad ist hier das falsche Wort). Wie ein gigantischer furz quälen diese überhöht systolischen Amotoriker auf ihrem scherzhaft Bock genannten Fernsehsessel sämtliche Freiradler dieser, unserer Erde: Freunde der dicken Lederhose, fahrt zum Arsch der Welt und kauft euch einen Aufsitzrasenmäher!

  2. Gisa

    Auch beim Wiederlesen:
    Großartig formuliert, diese Antithesenbeschreibung, in wenigen Worten ein Weltbild umrissen…

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