Frühlingskur

An Skurrilität kaum zu übertreffen ist unsere Suche nach einer heißen Quelle, neben der man gemütlich zelten kann, und unser Fund einer Heilanstalt, in der man nicht baden kann.

Eingebettet in einen Vergnügungspark, der im Winter geschlossen hat, steht nördlich von Thessaloniki in Loutra Lagadas ein schickes Hotel und ein graues Thermengebäude mit Ost-Charme. Hinter den unscheinbaren Eingangstüren wird das Ü50-Zielpublikum von mehreren Damen in Empfang genommen, die das Kunststück bewältigen, die Anmutung eines Vorstadtbademeisters mit der Penibilität einer Dorfputzfrau zu kreuzen. Als ich, eines bruchgelandeten Außerirdischen gleich, die Szene betrete, wird postwendend eine jüngere Kollegin hinzugerufen. Sie ist eines gebrochenen Englisch mächtig und klärt mich auf: Nein, natürlich zugängliche Quellen gäbe es keine. Nur unterirdisch, und in der Therme, aber dort ist heute Abend Firmenfeier. Geschlossene Gesellschaft. Dann führt sie mich nach draußen, über das Gelände und zum Pavillon. Hier dürfe man sich auch gemischt-geschlechtlich am heilenden Wasser laben. Doch der angebaute Wartesaal ist größer als das Badegebäude und am heutigen Samstag Abend gerammelt voll. Sie hält Rücksprache mit den Putzfraubademeisterpavillonwächeterinnen und rät mir, ab 17:00 des nächsten Tages wiederzukommen, da sei es erwartungsgemäß leerer.

In diesem Umfeld also suchen wir einen geeigneten Zeltplatz und werden hinter einer verbarrikadierten Imbissbude fündig. Das Wetter ist umgeschlagen; statt Schneeschmelze kommt Elster-Gekrächze von den Bäumen, die Vorahnung von Frühling macht sich breit. Während auf der anderen Seite der Imbissbude Kurgäste geduldig ihre kräftezehrenden Nordic-Walking-Runden vollziehen, entdecken wir Ameisen bei ihren ersten Gehversuchen der Saison. Tatsächlich, Frühling!

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4 Kommentare

  1. was heißt hier „Ü50-Publikum“? was heißt hier „natürlich zugängliche Quellen?“
    noch nie was von kneipe oder bar gehört? dass ihr hinter imbissbuden eines vergnügungsparks eurer zelt aufgeschlagen habt, ist sehr mutig.
    aber bei temperaturen unter null riecht man bekanntlich nix.

    der luftleere nikolaus gefällt mir sehr gut, die kreisenden rentiere scheinen sich scheckig zu lachen, oder freuen die sich nur, dass der weihnachtscirkus endlich vorbei ist?

    wolltet ihr beiden nicht immer schon ein stück des weges auf dem rücken der pferde euer glück suchen?

    hüüüüh!

  2. Hias

    Neuesten Erkenntnissen nach: „[…]Man geht inzwischen davon aus, dass der Name der ersten Besiedlung Thessalonikis nicht auf heiße Quellen zurück geht. Eher ist wahrscheinlich, dass Thermi von dem Wort Begeisterung kommt. Die Begeisterung für den Gott Dionysos.“

    http://www.reiseziel-thessaloniki.de/thessaloniki/thessalonikigeschichte/thessalonikistadtgruendung.html

    Vielleicht lags daran;)

  3. Ich hatte mir den Frühling irgendwie anders vorgestellt…

  4. Pingback: Heiße Gletscher | Gut gelaufen

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