Der Kampf mit der Unsichtbarkeit

Der Noch nie in meinem Leben habe ich gefühlt, was es bedeutet, weiblich im Gegensatz zu männlich zu sein. Genderregeln im Sprachgebrauch und in der Rechtschreibung fand ich meistens eher anstrengend, meinen Bruder habe ich immer die bessere Feministin genannt.

In den letzten zwei Wochen Iran und während ungefähr einer Woche in türkischen LKWs habe ich jedoch zu spüren bekommen, wie es ist, anders zu sein. Ich habe versucht, eine Ebene zu finden, auf der ich die ständig präsente Ignoranz der uns umgebenden Männer ertragen kann. Begegnungen auf der Straße, die nach iranischer Manier meistens sehr schnell enger werden, hatten wir hauptsächlich mit Männern. Von da her kommt auch mein Frust, extrem benachteiligt zu werden. Diese Männer geben mir natürlich nicht die Hand, was in der Öffentlichkeit auch verboten wäre. Alle Fragen werden an Moritz gerichtet, auch die über mich. So passiert es nicht selten, dass ich zwei Männern auf der Straße hinter her renne, weil ich außerhalb des Interesses bin. Das Gefühl, unsichtbar zu sein, ist mir auf den Fersen.

Obwohl es nach islamischem Ermessen sicher respektvoll ist, sich von einer verheirateten Frau, was ich vorgebe zu sein, fernzuhalten, kommt die Ungleichheit, die ich oft gefühlt habe, bestimmt nicht von irgendwo – Nicht nur die Gesellschaft, auch das iranische Gesetz stellt den Mann über die Frau.

2 Kommentare

  1. Romi

    Du Arme. Von den Männern ignoriert, von den Frauen beglotzt. Aber viel mehr tun diese mir leid, all die armen Frauen, die das jeden Tag erleben.

  2. karinscheer

    ich bin ein Kind der 68er- Zeit. Wir kämpften gegen alles was uns in den Weg kam. Wir kämpften für die Emanzipation der Frau, wir waren auf vielen Demos, einige waren radikal, einige gemäßigt. Die Männer hatten es nicht leicht, sie haben es noch immer nicht leicht. Wir waren begeistert vom „Tod des Märchenprinzen“. Nach 44 Jahren sehe ich diese Zeit kritischer, dennoch: sie war wichtig. Die Männer sind Männer, wir Frauen sind Frauen. Ich lebe für Respekt, Anerkennung, balance von Mann und Frau. In manchen alten Kulturen war diese balance vorhanden, in der westlichen Kultur ist sie schon eher da.
    Aber: wo sind die Frauen, die sich für die unterdrückten Frauen einsetzen? In manchen Ländern gibt es noch immer Beschneidungen, in manchen Ländern sind die Frauen Menschen 2./3. Kategorie, in China werden die neu geborenen Mädchen getötet, in …. die Liste läßt sich fortsetzen.
    Mein Appell richtet sich an die jungen Frauen: Setzt euch positiv- ohne Männer zu vernichten- für die Rechte der Frauen ein.

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